Berufung - NEIN Danke!

MACH DEIN HOBBY ZUM BERUF

Britta liebt Pferde. Sie kann sich ein Leben ohne Zottelhaare und Gewieher nicht mehr vorstellen. Am liebsten würde sie ihre tägliche Arbeitszeit auf dem nahe liegenden Reiterhof verbringen. Die langersehnte Anmeldung zur Ausbildung als Trainerin in Horsemanship hatte sie bereits abgeschickt und war der festen Überzeugung, nach der Ausbildung mit Pferde Coaching für Führungskräfte durch zu starten. Das Pferd stand da, es hatte eine handliche Größe, war sozialkompetent und angenehm im Umgang. Ein großer Reitplatz mit viel Fläche war ebenfalls vorhanden, eingebettet in eine herrlich ursprüngliche Natur. Die Vorträge waren ausgearbeitet, der Plan und die Zuversicht in der Tasche. Nur mit der Umsetzung haperte es. Die Frage war, aus welchem Grund? Angst vor der eigenen Courage, der Konkurrenz oder der Machbarkeit? Seit Kindesbeinen an waren Hund und Pferd fester Bestandteil in ihrem Leben. Was hinderte sie daran, ihren Traum jetzt zu leben? Sie sah in den Spiegel und fragte sich. „Wer bin ich, es nicht zu tun“? In diesem Moment wurde Britta bewusst, dass sie ihr Pferd nicht teilen wollte und schon gar nicht auf diese Weise. War es ihrem Pferd wirklich fair gegenüber, es ständig mit fremden Menschen und deren Themen in Kontakt zu bringen? Den langen Weg, den Pferd und Reiterin gegangen waren und der sich Jahre später in einer absoluten vertrauensvollen Beziehung zeigte, war zu wertvoll, diese permanent in Trainings oder Firmenevents aufs Spiel zu setzen. Ein Traum ist nur ein Traum, bis du entscheidest ihn zu verwirklichen. Natürlich hatte sie es in der Hand, ihren Weg mit einem passenden Konzept zukünftig anders zu gestallten. Dennoch. Sie beschloss, ihr berufliches Business nicht auf Kosten ihres besten Mitarbeiters zu verwirklichen. Stattdessen räumte sie sich zukünftig mehr Beziehungszeit mit ihrem felligen Vierbeiner ein.

 

Ähnlich ergeht es Christian, der hauptberuflich als Ingenieur arbeitet und in seiner Freizeit alte Autos in Stand setzt. Er hat das Talent, aus zwei Autos eins zu machen und findet immer wieder individuelle Lösungen, damit der Motor wieder rund läuft. Der geborene KFZ-Mechaniker. Sein Freundeskreis riet im des Öfteren, sich mit einer Werkstatt selbstständig zu machen. Könnte er hauptberuflich von seiner Leidenschaft leben? Würde er in einem Fulltimejob dieselbe Freude empfinden, gedankenversunken an den Getrieben der Autos zu schrauben? Seine leidenschaftliche Bastelei versetzt ihn beim reparieren und tüfteln in einen sogenannten Flow-Zustand, ähnliche einer tiefenentspannten Meditation. Raus aus dem Alltag – hinein in Ölgeruch und Werkstattfeeling. Wäre es mit einer eigenen Werkstatt immer noch dasselbe?

 

Wie steht es mit Susanne, die begeistert Kuchen und Torten bäckt, um diese anschließend high end zu verzieren und zu gestalten.  Muss sie deshalb sofort ihren Beruf in der Marketingagentur hinschmeißen und eine Konditorenlehre starten, um anschließend das eigene Café zu eröffnen? Vorgekommen ist das alles schon. Für viele Menschen ist kochen und backen – meist auf hohen Niveau - die reinste Form der Entspannung. Ein Ausdruck dessen, auf diese Art, die eigene individuelle Kreativität zu leben. Improvisieren, kreieren und das selbstgemachte Produkt anschließend mit Freunden oder der Familie bei einem guten Glas Wein oder einer Tasse Kaffee, in geselliger Runde zu genießen. Wer weiß, vielleicht wird sie eines Tages ein Café übernehmen, wenn die Kinder aus dem Haus sind?

 

In einem kleinen Büro der thüringischen Gemeinde Jena, arbeitet Gunnar. Er liebt seine Arbeit als Sozialpädagoge und berät unglückliche und überforderte Elternpaare und deren Kinder. Gern würde er in einer privaten Praxis Paartherapie anbieten. Nach längerer Überlegung fällt ihm schließlich auf, dass er in seiner Freizeit keine Gesprächstherapien anbieten möchte. Noch mehr vom selben, erscheint ihm auf Dauer zu anstrengend. Er wird sein Wissen in Zukunft in Workshops und Seminaren zu besseren Beziehungsgestaltung in Partnerschaften vermitteln und ist sehr glücklich mit seiner Entscheidung.

 

Vera arbeitet im Autohaus. Die Arbeit macht ihr sehr viel Spaß. Am Counter ist sie für alle Kundenanfragen stets die erste Ansprechpartnerin. Sie hat eine freundliche und zugängliche Art, ist zuverlässig und ein echtes Organisationstalent. Trotzdem fehlt ihr ein Puzzleteil in ihrem Leben. In ihrer Freizeit bastelt sie gern und ist handwerklich sehr geschickt. Die Arbeit mit Holz macht ihr besonders viel Freude. Sie möchte gern den Beruf wechseln und träumt schon länger von einer Ausbildung als Tischlerin. Da gibt es nur ein Problem. Die gut bezahlte und sichere Arbeitsstelle gegen Lehrzeit einzutauschen ist ein mutiger Schritt. Sie beschließt in einen einem Praktikum neben der Arbeit im Autohaus herausfinden, ob Tischlerin wirklich ihr absoluter Traumberuf ist.

 

Egal ob es die Beschäftigung mit Tieren, Menschen, Autos oder Naturmaterialien, etc. sind - sie geben uns in unserer Freizeit einen tieferen Sinn. In allen diesen Momenten, lassen sie uns in eine andere, in eine ganz eigene Welt eintauchen, in der wir ganz bewusst, wir selbst sein können. Mit ausschließlich einer Sache beschäftigt sein, abseits von Social Media, ohne Stress oder Termindruck.

 

Mach dein Hobby zum Beruf - NEIN Danke! Nicht jede Berufung muss zum Beruf werden. Das was wir so lieben, kann im nächsten Moment dauerhaft in absoluten Stress umschlagen. Aufträge gewinnen, Termine einhalten, Rechnungen schreiben, sich mit Kunden auseinandersetzen, das eigene Unternehmen führen …  Manchmal ist ein Hobby auch nur das, was es sein sollte: Freizeit, Auszeit, Ausgleich und Entspannung. Da sein – im Hier und Jetzt sein. 

 

Wie würde der Traum aussehen, wenn wir ihn tagtäglich mit all seinen Facetten leben „müssten“? Sind wir wirklich bereit, alle Herausforderungen für den einen, unseren Traum in Kauf zu nehmen oder können wir ihn auf eine andere Weise leben? Manchmal reicht ein Schritt in die nebenberufliche Selbstständigkeit, das Engagement in einem ehrenamtlichen Verein oder die Verwirklichung als  Seminarleiter aus.  Was - wenn doch? singt Bodo Wartke. Wer bist Du, es nicht zu versuchen? John Strelecky

 

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